Aus meiner Schreibwelt
Schreiben bedeutet für mich, Gedanken
festzuhalten, Geschichten entstehen zu lassen
und manchmal Worte für das zu finden,
was sich nur schwer aussprechen lässt.
In meinem Blog erzähle ich von meinem
Schreiben, meinen Buchprojekten und den
kleinen und grossen Gedanken, die mich auf
meinem Weg als Autorin begleiten.
Manchmal ernst, manchmal poetisch,
manchmal mit einem Augenzwinkern — und
immer so, wie die Worte gerade kommen.
Gedanken & Augenblicke
Der schwarze Reiter
Ein Gedicht über einen Augenblick, der
vorübergeht - und trotzdem etwas zurücklässt.
Manche meiner älteren Gedichte begegnen mir Jahre später fast wie fremde Texte.
Ich erinnere mich nicht immer daran, wann oder weshalb ich sie geschrieben habe.
Doch manchmal erkenne ich beim Wiederlesen ein Gefühl wieder.
Beim "Schwarzen Reiter" ist es für mich die Vorstellung,
dass etwas nur einen Augenblick in unserem Leben auftauchen kann —
und trotzdem eine Spur hinterlässt.
Hier das Gedicht:
Ein schwarzer Reiter
am Rand des Lichts.
Nur für einen Augenblick
sichtbar —
und doch
nicht mehr zu vergessen.
Sein Schatten
bleibt,
als hätte er sich
in etwas gelegt,
das nicht mehr
zurückfindet.
Sie weiß nicht,
woher er kommt.
Nur,
dass etwas in ihr
ihm folgt.
Nicht Schritt für Schritt —
nur dieses Ziehen,
das bleibt.
Sein Blick,
dunkel,
ruhig,
als würde er mehr sehen,
als gesagt werden kann.
Und plötzlich
verändert sich alles.
Nicht laut.
Nur nah genug,
um zu brennen.
Gedanken,
die sich verstricken.
Zeit,
die stiller wird.
Er bleibt nicht.
War nie dafür gemacht.
Und doch
trägt sie ihn weiter —
nicht als Erinnerung,
eher
als Unruhe,
die immer wiederkehrt.
Und manchmal,
wenn etwas in ihr
zu leuchten beginnt,
glaubt sie,
ihn wiederzusehen —
am Rand
ihrer eigenen Sehnsucht.
R.R.
Heute gelesen
Manches verschwindet aus unseren Augen —
aber niemals ganz aus uns.
Wer sagt denn, dass die Uhr Zeiger braucht?
Ein Gedanken über die Zeit
Wenn ich dieses Gedicht heute lese, denke ich darüber nach, wie sehr wir unser Leben
nach der Zeit ausrichten. Wir zählen Stunden, Tage und Jahre, warten auf den richtigen
Augenblick und fürchten manchmal, dass und die Zeit davonläuft.
Dabei lässt sie sich weder anhalten noch zurückdrehen.
Vielleicht braucht es deshalb manchmal gar keine Zeiger.
Vielleicht genügt es, einen Augenblick nicht zu messen,
sondern ihn einfach zu leben.
Die Zeit geht weiter trägt sie ihn weiter — mit oder ohne Uhr.
Was wir aus ihr machen, bleibt uns überlassen.
Hier das Gedicht:
Wer sagt denn,
dass die Uhr Zeiger braucht?
Vielleicht
könnte sie Bohnen zählen.
Oder Kieselsteine.
Oder den stillen Fall
von Sand.
Wer sagt denn,
dass Zeit gemessen werden muss?
Früher
las man sie
im Lauf der Sonne
im Atem der Felder
im Schweigen der Nacht.
Vielleicht
hat die Zeit nie Zeiger gehabt.
Nur Menschen
die Angst hatten
sie zu verlieren.
Doch selbst
wenn alle Uhren verstummen
zeigt ein Kompass
immer noch den Weg:
das Herz.
— R.R.
Heute gelesen
Und wer sagt eigentlich, dass jede Uhr
wissen muss, wie spät es ist?
Im Blödsinn liegt der Wahnsinn
Ein Gedanke über den herrlichen Unsinn
Wenn ich dieses Gedicht heute lese, muss ich schmunzeln.
Nicht jeder Gedanke braucht eine tiefe Bedeutung, und nicht
jedes Wort muss unbedingt irgendwohin führen.
Manchmal darf Sprache einfach spielen.
Sie darf stolpern, übertreiben, Unsinn treiben und sich
über die Vernunft hinwegsetzen.
Vielleicht liegt gerade darin eine besondere Freiheit des
Schreibens: für einen Moment nicht danach zu fragen,
ob etwas sinnvoll, logisch oder überhaupt möglich ist.
Denn unser Leben ist ernst genug.
Warum sollten es unsere Gedanken immer sein?
Vielleicht braucht es manchmal ein bisschen Blödsinn,
um den ganz normalen Wahnsinn des Lebens mit einem
Lächeln zu betrachten.
Hier das Gedicht:
Im Blödsinn
liegt der Wahnsinn.
Ein Blick
genügt,
und die Stille
zerbricht.
Sie stemmt sich gegen ihn
wie ein Steinbock
gegen seinen Rivalen.
Kraft gegen Kraft.
Bis einer nachgibt —
oder beide
verstehen.
Im Blödsinn
liegt der Wahnsinn.
Sie necken sich,
verdrehen die Augen,
und plötzlich
ergibt nichts mehr
einen Sinn.
Die Worte bleiben
in ihrer Kehle stecken.
Sie möchte schreien,
lachen,
davonlaufen.
Doch er steht noch da
in seiner albernen Haltung
und bringt sie wieder
zum Lachen.
Auch er versucht zu fliehen.
Doch etwas
hält ihn fest.
Vielleicht der Wahnsinn
vielleicht die Liebe.
Sie steht da
in ihrer verrückten Pose
und reißt ihn
aus seiner Langeweile.
Wer hätte gedacht,
dass aus so viel Blödsinn
so viel Wahnsinn
entstehen kann?
Und so erfinden sie
immer neue Verrücktheiten,
um ihre Liebe
am Leben zu halten.
Denn nach jeder Nacht
beginnt ein neuer Morgen
mit einem Stern
der ihnen
zuzwinkert.
— R.R.
Heute gelesen
Und wenn im Blödsinn tatsächlich der
Wahnsinn liegt — dann soll er sich dort
ruhig ein wenig austoben.