Die Magie der Poesie entdecken

 

Tauchen Sie ein in die Welt der Gedichte und Lyrik. Hier entdecken Sie, wie Worte Gefühle wecken, Geschichten erzählen und uns auf eine Reise der inneren Wandlung mitnehmen können. Ich lade Sie ein, die Schönheit der Sprache neu zu erleben.

 

 

Der Grashüpfer und das Weichtier

Es war einmal ein Grashüpfer
mit einem grünen Frack.

Er hatte die Angewohnheit,
auf einem Weichtier zu rasten.
Seine Hinterbeine kitzelten
die glitschige Masse –
und das Weichtier kicherte.

Der Grashüpfer bastelte gern.
Holz, Metall und Stein
hatte er schon bearbeitet.

Doch das Weichtier
war sein liebstes Material.

Es liess sich biegen und formen,
ohne zu zerbrechen,
und kehrte immer wieder
in seine ursprüngliche Gestalt zurück.

Einmal machte er daraus
eine Barbapapa-Figur,
ein anderes Mal
einen Skorpion mit Stachel.

Am liebsten benutzte der Grashüpfer
das Weichtier als Trampolin.

Dabei spannte er die gummiartige Haut des Weichtiers
zwischen zwei Pfosten und schlug Kapriolen.
Er glaubte,
die Wolken zu berühren.

Das Weichtier konnte sich nicht befreien.

Beide waren hässlich.

So hässlich,
dass alle sie verabscheuten.

Wenn sie ihr Spiegelbild im Wasser sahen,
wandten sie sich ab.

Und doch hatten sie Talente.

Der Grashüpfer
konnte wunderschön singen.

Und das Weichtier
war in seiner Gelassenheit
unschlagbar.

Eines Tages
befreite der Grashüpfer
das Weichtier.

Der Grashüpfer entschuldigte sich
und sprang bald wieder
auf seinem Rücken herum.

Bis das Weichtier
ihn plötzlich verschluckte.

Nach ein paar Sonnenaufgänge und Abendröten

spuckte es ihn wieder aus.

Er schmeckte zu salzig.

Der Grashüpfer
war mit dem Schrecken davongekommen.

Doch das Schicksal
hatte andere Pläne.

Der Grashüpfer
wurde eines Tages
von einer Schnecke gefressen.

Und das Weichtier
landete in einem Fischernetz
für ein Restaurant in Paris.

Zurück blieben nur
der grüne Frack
und die leere Schale.

Der letzte Beweis,
dass sie einmal
unter uns lebten.

Das Ende
eines fröhlichen
und sinnlosen Spiels.

R.R