Meine Lyrik

Manche Gedanken lassen sich nicht erzählen. Sie wollen in wenigen Zeilen gesagt werden.

Meine Gedichte erzählen von Sehnsucht und Liebe, von Verlust,

Erinnerung und innerer Wandlung — und manchmal auch von den leisen Absurditäten des Lebens.

Hier finden Sie eine kleine Auswahl meiner Texte.


ROMAN IHRES LEBENS   I

Wie oft stand sie dort
und betrachtete den Himmel,

wenn der Mond
die Sonne ersetzte
und Sterne
die Nacht entzündeten.

Die Zeit verging
lautlos.

Ihre Tränen
trockneten im Wind.

Alles hätte anders sein können.

Viele Tage
sind vergangen ohne ihn.

Sie hat aufgehört
sie zu zählen.

Manchmal wünscht sie sich
zu verschwinden

und ihr verlorenes Märchen
wiederzufinden.

Der Roman ihres Lebens
führt über steile Wege,

durch Stürme
und stille Blicke.

Ein Weg
der sie atmen lässt,

lieben lässt,

auch ohne
eine Gegenleistung.

Eines Tages
versteht sie,

was Freiheit bedeutet:

zu wählen,

zu träumen,

zu leben —

auch ohne ihn.

Dann findet sie sich
in einem weißen Zimmer wieder.

Auf einem Bett aus Rosen.

Blüten fallen
auf ihre Haut

wie leiser Schnee.

Der Wind
streicht durch den Raum.

An der Wand
ein goldener Spiegel.

Als sie hineinblickt

erschrickt sie.

Ein fremdes Gesicht
starrt zurück.

Das Monster
in ihrem Inneren
ist erwacht.

Mit zitternden Händen
zersplittert sie den Spiegel.

Scherben fallen
wie Sterne.

Schönheit und Ungeheuer
tanzen

barfuß
über das Glas.

Ohne Schmerz.

Ohne Angst.

Und plötzlich
versteht sie:

Der Roman ihres Lebens
hat noch kein Ende.

Die schönste Geschichte

ist die
die sie noch schreiben wird.

ROMAN IHRES LEBENS   II

Während die Wellen
gegen die Felsen schlagen
steht sie am Rand der Klippe.

Flut um Flut.

Ein Zeichen
für den unaufhaltsamen Lauf der Zeit.

Ihr Blick
verliert sich im Horizont.

Manchmal
möchte sie springen,

in das salzige Wasser
und die Gedanken ertränken
die sie immer wieder
in die Vergangenheit führen.

Doch Gewohnheiten
halten sie fest.

Vielleicht
wird sie ihn eines Tages
wiedersehen.

Vielleicht
wird sie ihm sagen können
wie sehr sie ihn liebte.

Sie wartet
auf den Frühling.

Auf den Duft der Wiesen,
auf warmes Licht
nach langen Wintern.

Und manchmal
träumt sie.

Im Traum
begegnet sie ihm im Wald.

Ein Prinz
auf einem weißen Pferd.

Er verbeugt sich
küsst ihre Hand.

Doch plötzlich
verwandelt sich alles.

Ein Lachen.
Ein Flattern von Hufen.

Und er verschwindet
zwischen den Bäumen.

Die Wellen
reißen sie aus dem Traum.

Sie sitzt still
und lauscht ihrem eigenen Leben

wie einem fernen Rauschen
das nur sie hören kann.

Ihr Leben
ist ein Roman.

Manche Seiten
sind kaum beschrieben.

Andere
voller Narben.

Doch die Feder
liegt noch immer
in ihrer Hand.

Sie blickt zum Horizont.

Und versteht:

Der schönste Teil
dieser Geschichte

ist der
den sie noch schreiben wird.

— R.R.


SINNESWANDEL

Er sitzt
mitten in einer Geschichte

und verstrickt sich darin.

Viele schreiben.

Doch wo
ist sein Werk?

Alle reden
von künstlicher Intelligenz.

Doch wer versteht sie wirklich?

Ist das alles
Unsinn?

Oder
hat alles seinen Sinn?

Hast du Sinn für Humor?

Oder haben dich
die Sinne verlassen?

Die Sinne schwinden.

Was hast du im Sinn?

Sinn.

Unsinn.

Wahnsinn.

Vielleicht
liegt genau dort

der Sinn.

Also legen wir
den Stift beiseite

und folgen

dieser Reise
des Wahnsinns.

Denn vielleicht
hat sie uns längst

eingeholt.

Still.

Unmerklich.

Sinneswandel.                — R.R.


FLÜCHTIGE EINGEBUNG

Flüchtige Eingebung,

du erscheinst
zwischen zwei Gedanken,
lautlos,
als würdest du schon immer
dort gewesen sein.

Ich spüre dich,
bevor ich dich begreife.

Ein leises Ziehen,
das mich anhält,
ohne mich festzuhalten.

Du gibst mir Bilder,
die sich nicht erklären lassen —

und verschwindest,
sobald ich versuche,
sie zu benennen.

Manchmal
bist du Nähe.

Manchmal
nur ein Echo
von etwas,
das nicht bleiben will.

Ich folge dir
durch das Ungewisse,
durch Räume,
die keinen Anfang kennen.

Und doch
führst du mich
immer wieder
zu mir zurück.

Flüchtige Eingebung,

du bist kein Versprechen.

Eher
ein offener Weg,
der sich nur zeigt,
wenn ich ihn nicht suche.

Und vielleicht
liegt genau darin
dein Geheimnis —

dass du gehst,
damit etwas
in mir bleibt.

— R.R.


WEICHE AURA

Weiche Aura,

du streifst mein Gesicht
und etwas in mir
kehrt zurück.

Unter einer alten Eiche
sitze ich still
und lausche deinem Atem,

der meine Haut berührt
wie ein Blatt im Wind.

Ich schließe die Augen.

Für einen Moment
wird alles leicht.

Als könnte ich bleiben
in diesem Schweben.

Dann —

ein Windstoß.

Ein Stück Papier
zu meinen Füßen.

Ich hebe es auf,
falte es,
ohne zu wissen, warum.

Und plötzlich
sind sie wieder da —

Worte,
die ich längst
verstummen lassen wollte.

Versprechen,
die geblieben sind,
obwohl alles ging.

Ich lasse das Papier los.

Es folgt dir,
ohne sich umzusehen.

Vielleicht
kann ich das auch
eines Tages.

Weiche Aura,

du sagst nichts —
und doch
verstehe ich dich.

Du nimmst nichts mit,
und doch
veränderst du alles.

Ich sitze noch immer
unter dem Baum,

die Arme um mich gelegt,

und spüre,
wie etwas in mir
ruhiger wird.

Nicht heil.
Nur weiter.

Und vielleicht
lerne ich,

dir ähnlich zu werden —

still,
leicht,
und frei.

— R.R.


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Weitere Gedichte finden sich in meinem 
Gedichtband
Im Schatten des roten Korsar —
eine poetische Reise durch Sehnsucht,
Liebe, Verlust und innere Wandlung.